Raharitianas Hoffnung: Gemeinsam gegen Kinderunterernährung in Madagaskar

Kaum verlassen wir das Gesundheitszentrum in Mahatsinjo, versammelt sich eine Menschenmenge um uns. Zunächst sind es nur ein paar Kinder, neugierig auf die Besucher. Dann zehn. Dann zwanzig. Als wir den Rand des Dorfes erreichen, sind wir umringt: Mindestens sechzig Kinder laufen neben uns her auf dem Hauptweg zwischen den Häusern. Sie folgen uns nicht nur. Sie singen und tanzen den ganzen Weg mit uns.
Wir begleiten Raharitiana, eine Grossmutter in ihren Dreissigern, bei ihrem Alltag mit ihrem Enkel: Sie bringt ihn zum Arzttermin, holt Medikamente ab und geht mit uns durch das Dorf nach Hause. Diesen Weg legt sie etwa alle zwei Wochen zurück – immer wieder, um sicherzustellen, dass er die Versorgung erhält, die er braucht.
Ihr Enkelsohn Ilarida ist ein Jahr alt. Er ist klein für sein Alter, zerbrechlich, und erholt sich von Unterernährung.
Eine lange Reise, die in der Klinik beginnt
Im Gesundheitszentrum Mahatsinjo sitzen Mütter mit ihren Kindern auf dem Schoss und warten ruhig, bis sie an der Reihe sind. Der Arzt ruft die Namen auf, misst das Gewicht, untersucht die Symptome und erstellt Behandlungspläne.
«Ich bringe ihn oft hierher», erzählt uns Raharitiana. «Er leidet unter starkem Husten und Atembeschwerden.»
Ilaridas Mutter wurde erneut schwanger, bevor er ein Jahr alt war, und konnte nicht weiter stillen. Ohne ausreichende Ernährung verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rasch.
Als der Arzt ihn untersuchte, wurde er in ein Ernährungsprogramm aufgenommen. Er erhält eine Behandlung und wird regelmässig mit Plumpy'Nut versorgt – einer therapeutischen Nahrung zur Behandlung akuter Unterernährung.

Ein Gang durch das Dorf
Nach dem Termin folgen wir Raharitiana, die die Medikamente abholt und sich mit Ilarida auf dem Rücken auf den Heimweg macht. Der Weg schlängelt sich durch das Dorf: staubig, uneben und voller Kinder, die uns lachend, beobachtend und neugierig folgen.
Dass die Kinder einer Besuchergruppe durchs Dorf folgen, ist hier nichts Ungewöhnliches. Fremde Gesichter sind selten, und die Anwesenheit des Medair-Teams wird schnell zu einem kleinen Ereignis.

Ein Zuhause geprägt von Not, Hoffnung und Widerstandsfähigkeit
Ihr Haus ist klein, gebaut aus Lehm, Blättern und Holz. Im Inneren gibt es keine Möbel, und der Lehmboden riecht nach frischem Regen. Man hört Mäuse über die Decke huschen. Es wird auf stille Weise deutlich, unter welchen Bedingungen sich dieses Kind erholt.
«Er war so dünn, als wir zum ersten Mal kamen», sagt sie. «Sein Gesicht war sehr blass. Jetzt sehe ich den Unterschied. Er nimmt an Gewicht zu. Seine Gesichtsfarbe ist besser. Er wird von Tag zu Tag stärker.»
«Ich habe ihn aus dem Haus seiner Mutter geholt», erklärt Raharitiana leise. «Es war nicht einfach, aber jetzt gibt es wieder Hoffnung. Ich danke Gott, dass er mir die Kraft gegeben hat, mich um ihn zu kümmern.»

Das Gesundheitszentrum hinter der Geschichte
Für Diana, eine Krankenschwester im Team von Medair in der Klinik, spiegeln Fälle wie der von Ilarida grössere saisonale und strukturelle Herausforderungen wider.
«Die häufigste Krankheit bei Kindern unter fünf Jahren ist hier Malaria», erklärt sie. «Aber auch Unterernährung ist sehr verbreitet.»
Die Ursache hängt eng mit dem landwirtschaftlichen Zyklus zusammen. Reis, das Hauptnahrungsmittel, wird nur zweimal im Jahr geerntet – im Mai und im November.
«In den Monaten vor der Ernte gibt es oft nicht genug zu essen», sagt sie. «Die Familien essen, was sie finden können, oder manchmal gar nichts.»
In diesen Zeiten steigt die Unterernährung stark an.
Kinder finden, bevor es zu spät ist
Im Gesundheitszentrum ist die Früherkennung entscheidend.
«Wir führen regelmässige Vorsorgeuntersuchungen durch», erklärt Diana. «Und wir arbeiten mit Gesundheitshelfern vor Ort zusammen, um Kinder zu identifizieren, bevor es zu spät ist.»
Sobald bei einem Kind eine Diagnose gestellt wurde, beginnt sofort die Behandlung: Ernährungsbeurteilung, Medikamente wie Amoxicillin, Vitamin A, Entwurmungstabletten und therapeutische Nahrung wie Plumpy'Nut.
Eine fragile, aber echte Genesung
In Mahatsinjo geschieht die Genesung nicht im Alleingang. Sie erfolgt durch regelmässige Nachsorgebesuche, weite Fussmärsche, sorgfältige Überwachung und die stille Beharrlichkeit von Betreuenden wie Raharitiana.
Als wir das Dorf verlassen, winken uns die Kinder nach. Hinter uns geht das Leben weiter: zerbrechlich, schwierig, aber nicht ohne Fürsorge.
Und in Raharitianas Zuhause wird ein kleiner Junge immer kräftiger.
«Jetzt», sagt sie, «gibt es wieder Hoffnung.»
Die Arbeit von Medair in Mahatsinjo, Madagaskar, wird von ECHO und privaten Spenderinnen und Spendern finanziert.
Dieser Artikel wurde durch Mitarbeitende von Medair vor Ort und am internationalen Hauptsitz verfasst. Die darin vertretenen Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise auf offizielle Positionen anderer Organisationen übertragbar.
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