Die heilende Kraft des Spielens in Krisenzeiten
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Inmitten von Feindseligkeiten und einer langwierigen, vielschichtigen Krise, die von Vertreibung und Unsicherheit geprägt ist, haben sich tiefe psychologische Narben im gesamten Libanon verankert.
Vor den Feindseligkeiten sah das Jugendalter im Libanon ähnlich aus wie überall sonst auf der Welt. Schultage, gefolgt von Aktivitäten im Freien, Lachen mit Freunden und Momenten des Spielens, die Verbundenheit, Selbstvertrauen und Freude schenken. Diese Momente mögen gewöhnlich erscheinen, sind aber für eine gesunde Entwicklung unerlässlich. Sie helfen Kindern und Jugendlichen, Freundschaften aufzubauen, Emotionen zu regulieren und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens zu meistern.
Heute ist diese Normalität für viele Kinder und Jugendliche im gesamten Libanon auf Eis gelegt – in manchen Fällen sogar zunichte gemacht worden. Seit dem 2. März dieses Jahres haben erneute Eskalationen über eine Million Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und Sicherheit zu suchen, oft nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen. Viele leben heute in überfüllten öffentlichen Schulen, wo Klassenzimmer zu provisorischen Unterkünften geworden sind und Unsicherheit den Alltag bestimmt.
Kinder und Jugendliche sehen sich dabei mit Folgen konfrontiert, die weit über die physische Vertreibung hinausgehen. Der Verlust ihrer Häuser, ihrer gewohnten Abläufe und ihrer Gemeinschaften, beeinträchtigt ihre psychische Gesundheit erheblich. Dazu – kommen die wiederholten Luftangriffe und ständige Angst. Dieses Trauma zeigt sich in Form von Angstzuständen, Rückzug, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und tiefer Hoffnungslosigkeit. In einer entscheidenden Entwicklungsphase müssen sie damit zurechtkommen. Ohne die Stabilität, die Beziehungen und die sicheren Räume, auf die sie sich einst verlassen konnten.
Das Spielen ist oft eines der ersten Opfer von Feindseligkeiten. Dabei ist es unverzichtbar. Denn es ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung: Es hilft Kindern und Jugendlichen zu heilen und ihre Identität zu formen. Durch Sport und Gruppenaktivitäten können sie wieder Anschluss finden, Gefühle ausdrücken, Selbstvertrauen aufbauen und ein Gefühl der Kontrolle zurückgewinnen.
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Anfangs zurückhaltende Kinder und Jugendliche beginnen nach und nach zu lachen, mit anderen in Kontakt zu treten und über ihre Erlebnisse zu sprechen.
Während einer «Peer-Support-Sitzung» für Kinder und Jugendliche in einer öffentlichen Schule traf unser Team Zainabs Mutter. Zainab, ein 6-jähriges Mädchen, das innerhalb des Landes vertrieben wurde, hatte an einer der Freizeitaktivitäten teilgenommen. Ihre Mutter erzählte, wie erleichtert sie war, ihre Tochter wieder fröhlich zu sehen: «Ich kann mich nicht erinnern, wann ich meine Tochter das letzte Mal so fröhlich und lachend gesehen habe. Seit wir unser Zuhause verlassen haben, ist sie nicht mehr dieselbe. Sie ist zurückhaltender und verschlossener geworden. Ich weiss, dass sie die Last all dessen, was wir durchgemacht haben, in sich trägt. Dennoch versuche ich, das Positive zu sehen, und bin dankbar, dass sie sich während der Veranstaltungen ausdrücken kann. Zu sehen, wie sie lacht, Spass hat und mit anderen Kindern in Kontakt kommt, hat mich wirklich glücklich gemacht. Ich glaube, das wird ihr helfen, diese schwierige Phase in unserem Leben zu überstehen.»
Auch Zainab erzählte, was ihr die Veranstaltungen bedeuten: «Ich spiele gerne und verbringe gerne Zeit mit den anderen Kindern, die hier mit ihren Familien untergebracht sind. Es macht mich glücklich, mich zu bewegen, zu lachen und das Gefühl zu haben, dass wir alle füreinander da sind.»
Im Jahr 2026 konzentriert sich das Team von Medair im Bereich der psychischen Gesundheit und der psychosozialen Unterstützung auf Freizeitangebote, die das Wohlbefinden von betroffenen Kindern und Jugendlichen stärken. Durch die Wiederherstellung von Möglichkeiten zum Spielen und Aufbau von Beziehungen zielt das Programm darauf ab, das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern und Kindern und Jugendlichen zu helfen, sich von ihren Traumata zu erholen. In Konfliktzeiten ist Spielen kein Luxus, sondern unverzichtbar. Es hilft Kindern und Jugendlichen, ihr Sicherheitsgefühl zurückzugewinnen und neue Kraft zu schöpfen, um weiterzumachen.
Warum ist Spielen so wichtig?
Spielen schafft Momente der Normalität und ermöglicht den Kindern, das Chaos um sie herum für kurze Zeit auszublenden und sich auch inmitten der Feindseligkeiten wieder sicher zu fühlen. Es stärkt ihre Identität, indem es ihnen einen Raum bietet, in dem sie erkunden können. Wer sie sind. Was ihnen Freude bereitet. Was ihnen wichtig ist. Und wie sie mit anderen umgehen. Durch das Spielen probieren sie verschiedene Rollen aus, drücken Gefühle aus, bauen Selbstvertrauen auf und entwickeln ein Zugehörigkeitsgefühl. All dies prägt ihre Identität.
In Anerkennung dessen führt Medair – mit finanzieller Unterstützung des Lebanon Humanitarian Fund (LHF) – Freizeitangebote für 270 Kinder und Jugendliche durch, Jungen wie Mädchen, die von den Feindseligkeiten und der Vertreibung im gesamten Libanon betroffen sind.
Diese Veranstaltungen finden in öffentlichen Schulen statt, die zu Sammelunterkünften umfunktioniert wurden. Sie verbinden strukturiertes Spielen, Freizeitaktivitäten und angeleitete Gespräche, um sichere Räume zu schaffen, in denen Kinder und Jugendliche Kontakte knüpfen, sich ausdrücken und sich gegenseitig unterstützen können. Durch spielerische Aktivitäten werden sie ermutigt, zu lachen, Gefühle auszudrücken und gemeinsam wertvolle Momente zu erleben. Das hilft ihnen, Vertrauen wieder aufzubauen, ihre Beziehungen zueinander zu stärken und trotz aller Herausforderungen ein Gefühl der Normalität zurückzugewinnen.
Die Arbeit von Medair im Libanon wird ermöglicht durch Finanzmittel des Lebanon Humanitarian Fund/OCHA, des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), des US-Aussenministeriums, der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit über Interaction-CH, des deutschen Auswärtigen Amtes, der Regierung des Fürstentums Monaco, der Métropole de Grenoble sowie grosszügiger privater Spenderinnen und Spender.
Dieser Artikel wurde durch Mitarbeitende von Medair vor Ort und am internationalen Hauptsitz verfasst. Die darin vertretenen Ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise auf offizielle Positionen anderer Organisationen übertragbar.
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