5 Min. Lesedauer

Wenn Konflikt und chronische Krankheiten zusammen kommen

January 29, 2026
von Medair
Sudan
Erfahren Sie, wie die im Sudan Asma in einer von der EU unterstützten Gesundheitseinrichtung von Medair inmitten der eskalierenden Krise im Sudan lebensrettende Behandlung gegen Diabetes erhielt.

Ein gefährlicher Weg, eine chronische Krankheit und ein kollabierendes Gesundheitssystem. Die Zukunft der im Sudan lebenden Asma* war ungewiss.

Als in ihrem Viertel in Khartum Kämpfe ausbrachen, war Asma klar, dass sie sofort fliehen musste. Sie war vor Ausbruch des Konflikts im April 2023 in die Hauptstadt gezogen und hoffte auf Stabilität und eine bessere Zukunft. Stattdessen fand sie sich auf der Flucht.

«Wir hörten, dass die Kämpfe immer näherkamen. Viele Menschen wurden getötet», sagt sie. Zusammen mit Verwandten und Nachbarn schloss sie sich einem Konvoi von 48 Autos an, die versuchten, der Gewalt zu entkommen. Die Fahrt erwies sich aussergewöhnlich schwierig. Die Strassen waren unsicher, in der Gegend gab es immer wieder Angriffe, und mehrfach blieb ihr Auto liegen. Jedes Mal mussten sie es in Sicherheit schieben.

Als sie die Stadt Shendi erreichten, hörten sie, dass ihr Haus in Khartum geplündert und komplett ausgeräumt worden war.

«Wir haben kein Geld», sagt Asma leise. «Wir haben alles verloren.»

Diabetes inmitten von Konflikt

Für Asma hat die Krise gefährliche Folgen für ihren ohnehin schon prekären Gesundheitszustand. Sie leidet unter Diabetes und braucht täglich Medikamente. Ihr Zustand muss regelmässig überwacht und medizinisch versorgt werden. In einem Land mit einem intakten Gesundheitssystem ist Diabetes gut behandelbar. Im Sudan, wo die Kämpfe die Infrastruktur zerstört und Millionen Menschen vertrieben haben, ist die Situation ganz anders.

Das Verbreitung von Diabetes im Sudan ist enorm. Nach Angaben der International Diabetes Federation sind etwa 19 Prozent der Erwachsenen zwischen 20 und 79 Jahren an Diabetes erkrankt – das sind rund 3,9 Millionen Menschen. Diese Zahl liegt weit über der in vielen einkommensstarken Ländern mit starken Gesundheitssystemen. In Frankreich beispielsweise liegt die Prävalenz bei den Erwachsenen bei 8,6 %, also weniger als halb so hoch wie im Sudan.

Mehrere Faktoren tragen zu der hohen Verbreitung von Diabetes im Sudan bei. Armut ist weit verbreitet. Ernährungsunsicherheit zwingt viele Haushalte zu einer billigen, kalorienreichen Ernährung mit einem hohen Anteil an raffinierten Kohlenhydraten und wenig Nährstoffvielfalt. Die Möglichkeiten zur Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung sind begrenzt. Das bedeutet, dass viele Menschen jahrelang unerkannt unter Diabetes leben. Anhaltender Stress im Zusammenhang mit Konflikten, Vertreibung und wirtschaftlicher Instabilität erhöht das Risiko einer Erkrankung zusätzlich.

Auch nach der Diagnose bleibt Diabetes im Sudan gefährlicher als in anderen Ländern. Das Gesundheitssystem ist durch den jahrelangen Konflikt geschwächt. In vielen Gebieten gibt es weder geschultes Personal noch angemessene gesundheitliche Versorgung. Medikamente und Blutzuckermessgeräte sind oft nicht verfügbar oder zu teuer. Wenn Menschen vertrieben werden, können sie nicht mehr durchgehend versorgt werden und haben keine regelmässige Behandlung und Nachsorge.

Für eine Vertriebene ohne Einkommen, ist dieser Zustand gefährlich. Selbst über einen kurzen Zeitraum können fehlende Medikamente zu schweren Komplikationen führen. Dazu gehören Infektionen, Nierenschäden und Koma aufgrund von hohem Blutzucker. Der Konflikt hat nicht nur Asmas Zuhause zerstört. Er hat auch ihre langfristige Gesundheit gefährdet.

Ein Medair-Mitarbeiter untersucht Asma und bereitet ihre Behandlung in einem Spital vor, in dem vertriebene und zurückkehrende Familien in Khartum kostenlos behandelt werden. © Medair/Stefan Kewitz

Eine neue Krankheit und keine Möglichkeit, für die Behandlung zu bezahlen

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Khartum erkrankte Asma an Durchfall, Erbrechen und Fieber. Diese Symptome treten häufig in Gebieten auf, in denen die Wasser- und Abwassersysteme beschädigt sind, und können auch ein Anzeichen für Dengue-Fieber sein, das sich in mehreren Teilen des Sudan ausgebreitet hat.

«Ich war besorgt», sagt sie. «Ich kam in das Spital, weil meine Nachbarn mir sagten, die Behandlung sei kostenlos.»

Wie die Unterstützung die Behandlung ermöglichte

n einer der von Medair unterstützten und von der Europäischen Union finanzierten Gesundheitseinrichtungen konnte Asma schliesslich die dringend benötigte Behandlung erhalten. Das medizinische Personal testete sie auf Dengue-Fieber und behandelte ihre Symptome. Vor allem aber besorgten sie die Medikamente, die sie sich nicht leisten konnte. Ohne diese Unterstützung hätte sich ihr Zustand schnell verschlechtern können.

«Die Dienste hier sind kostenlos und sehr hilfreich», sagt Asma. «Ich bin wirklich dankbar.»

In Khartum, wo das Gesundheitssystem durch den Konflikt schwer beschädigt wurde, ist der kostenlose Zugang zu Gesundheitsdiensten unerlässlich. Viele Spitäler wurden zerstört, medizinisches Personal wurde vertrieben, und die Vorräte an lebensrettenden Medikamenten sind ausserst knapp. Dank der Unterstützung durch die EU kann Medair den Betrieb der Einrichtungen aufrechterhalten und die Vorräte in einer der schwierigsten Zeiten im Sudan aufstocken.

Asma spricht mit einem Medair-Spitalmitarbeiter während ihrer medizinischen Konsultation, bei der ihr Diabetes-Management und ihre jüngste Erkrankung untersucht wurden. © Medair/Stefan Kewitz

Warum diese Unterstützung für Millionen von Menschen wichtig ist

Weltweit leben 589 Millionen Erwachsene mit Diabetes. Mehr als 80 Prozent von ihnen leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. In Ländern, die von Konflikten betroffen sind, werden chronische Krankheiten zu Notfällen. Im Sudan setzt die Kombination aus Vertreibung, Armut und zusammengebrochenen Diensten Millionen Menschen dem Risiko vermeidbarer Komplikationen aus.

Mit Ihrer Unterstützung für Medair helfen Sie nicht nur bei der medizinischen Versorgung. Sie verhindern Leiden. Sie stärken die Fähigkeit von Familien, Krisen zu überstehen. Sie ermöglichen es Menschen wie Asma, die Medikamente zu erhalten, auf die sie angewiesen sind, um am Leben zu bleiben. Sie schenken den Gemeinschaften Hoffnung, wenn ihr Gesundheitssystem nicht mehr funktioniert.

In der Spitalapotheke erhält Asma die Medikamente, die sie benötigt, um ihren Diabetes zu stabilisieren und sich von ihrer jüngsten Krankheit zu erholen. © Medair/Stefan Kewitz

Ein Schritt zur Genesung

Heute ist Asma wieder auf dem Weg der Besserung. Ihre Krankheit wird behandelt, und sie hat wieder Zugang zu den Medikamenten, auf die sie angewiesen ist.

«Ich bin dankbar für diesen Ort», sagt sie. «Ich weiss nicht, was ich ohne euch getan hätte.»

Ihre Geschichte spiegelt die Realität von Millionen Menschen im Sudan wider. Für Menschen, die mit chronischen Krankheiten wie Diabetes leben, ist der Zugang zu kostenloser und zuverlässiger medizinischer Versorgung lebenswichtig. Medair begleitet Familien durch eine der schwersten Krisen im Sudan und schenkt Menschen wie Asma Hoffnung auf Heilung und Wiederaufbau.

Asma lächelt, nachdem sie ihre kostenlosen Medikamente in einem von Medair unterstützten Spital in Khartum abgeholt hat. Sie ist erleichtert, dass sie die Behandlung erhält, die sie sich sonst nicht leisten könnte. © Medair/Stefan Kewitz

*Der Name wurde aus Sicherheitsgründen geändert.

Dieser Inhalt wurde von mitarbeitenden von Medair vor Ort und am internationalen Hauptsitz erstellt. Die darin geäusserten ansichten sind ausschliesslich die von Medair und in keiner Weise als offizielle Meinung einer anderen Organisation verstanden werden.

January 29, 2026
Geschichten wie diese gefallen Ihnen?

Erhalten Sie die neuesten Geschichten per E-Mail.

Mit der Anmeldung erklären Sie sich mit unseren Datenschutzrichtlinien einverstanden.

Werden Sie Teil der Geschichte

Es gibt vielfältige Wege, sich zu engagieren und etwas zu bewirken. Ganz gleich für welchen Weg Sie sich entscheiden, Ihre Unterstützung trägt wesentlich dazu bei, Leben zu retten und Menschen in Not neue Hoffnung zu schenken.

Weitere Geschichten mit Wirkung

Hier finden Sie Berichte, Publikationen, Pressemitteilungen und Geschichten über unsere Einsätze weltweit.